Warum gutes Material so wichtig ist.

Mein Holzlager umfasst nach fast drei Jahrzehnten kontinuierlichen Sammelns von Hölzern und Furnieren eine reiche Auswahl an unterschiedlichsten Farben und Strukturen für alle denkbaren Anwendungen bei Restaurierungen und beim Möbelbau.

Für optimale Restaurierungen benötige ich Hölzer, die es so nicht zu kaufen gibt. Denn für Ergänzungen sollte möglichst identisches Material verwendet werden, da die farbliche Veränderung der Hölzer durch Licht und Atmosphärenbeeinflussung über die Jahrzehnte/Jahrhunderte kaum durch künstliches Angleichen zu erreichen ist. Benötigt werden deshalb Furniere und massives Holz von nicht mehr restaurierbaren Möbeln und Möbelteilen oder sehr lange gelagerte Bretter aus z.B. aufgelösten Holzlagern.

Auch für den Möbelbau ist die Materialbeschaffung nicht ganz einfach, da das Standardangebot der Händler auf normale Schreinerbedürfnisse abgestimmt ist. Die für mich sehr interessanten Hölzer wie Goldregen, Berberitze, Stechpalme, Pfaffenhütchen, Buchs usw. gibt es nur aus Privatgärten. Auch ausgefallene Strukturen wie Astgabeln, Knollen, Wurzeln und auch Hölzer mit Wuchsfehlern oder Stockflecken tauchen im Handel nur selten auf.

Die heute üblichen Furniere sind industriell hergestellte Messerfurniere in Stärken von 0,6 oder 0,9 mm. Für die Herstellung müssen die meisten Stämme gekocht bzw. gedämpft werden, wodurch sich die Farbe je nach Holzart verändert. Dann werden die Furniere vom Holzblock geschnitten, das sogenannte „Messern“, ähnlich dem Vorgang, wie man ihn vom Spitzen eines Bleistifts kennt. Durch die Keilwirkung des Messers entstehen dabei Risse im Furnier, die nach einigen Jahren durch die Raumklimaschwankungen zwischen Sommer und Winter am Möbel erkennbar werden können. Sehr instabile oder sehr kleine Teile wie Äste lassen sich dabei nur schwer oder gar nicht messern.

Die von mir verwendeten und auch angefertigten Furniere sind ausschließlich Sägefurniere, also Furnierblätter von meist 1,8 mm Stärke, die direkt vom Holzblock gesägt werden. Dadurch bleibt die Stabilität und das optische Erscheinungsbild dem massiven Holz identisch – ein Qualitätsmerkmal, das nur mit Sägefurnieren erreicht werden kann! Auch kleinste und fragile Teile können so zu Furnier verarbeitet werden. Der technische Mehraufwand und der Materialverlust durch das Sägen ist im Vergleich zu den gemesserten Furnieren erheblich. Dennoch ist der Wertgewinn bedeutend, denn dieser Unterschied bereichert die Qualität, die Gestaltungsvielfalt und die Einzigartigkeit von Marketerien und Intarsien.

Das stetige Sammeln und vorbildliche Lagern außergewöhnlicher und nur schwer beziehbarer Hölzer ist die Voraussetzung für das Erzielen außergewöhnlicher Ergebnisse.

Peter Dallmann | Staatl. geprüfter Restaurator

Peter Dallmann. Feinstes Holzhandwerk für Möbel aus Vergangenheit und Zukunft.

2020-02-04T17:54:27+01:00